Ein Hund ist in der Lage in Welten vorzudringen, in denen der Mensch nicht mehr die Erlaubnis bekommt, auch nur leise anzuklopfen
Was sind Therapiehunde?
Therapiehunde sind Hunde, welche zusammen mit ihren Besitzern auf freiwilliger, unbezahlter Basis regelmässig soziale Dienstleistungen erbringen. Der Therapiehund wird zusammen mit seinem Halter ausgebildet und verrichtet seinen Dienst unter dessen Anleitung.
Bei schweren gesundheitlichen Störungen, wie zum Beispiel Autismus, arbeiten Ärzte und Therapeuten auch mit Hunden. Heilung darf dabei nicht erwartet werden, aber die Kranken zeigen oft ein anderes Verhalten, als sie es Menschen gegenüber manifestieren. Sie schaffen eine Verbindung mit dem Tier, berühren es, reden mit ihm.
Am 26. September 2009 haben Joy und ich die Therapiehunde-Prüfung erfolgreich bestanden.
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Kommentare: 4
Finn (Donnerstag, 19 Februar 2009 18:21)
Wir wünschen euch ganz viel Spass bei der Therapiehundeausbildung! Ihr packt das ganz bestimmt!
Finn und Co.
Uwe (Sonntag, 01 März 2009 15:41)
Liebe Manuela, ich wünsche Dir und Joy eine spannende und fruchtbare Ausbildungszeit, bin gespannt, auf deine Berichte. Ich arbeite meinerseits nun schon ein Jahr mit Aaron auf meiner Station, d.h. schweizweit einzigartig als Stationshund auf einer akuten, psychiatrischen Aufnahmestation mit 21 Patienten. Das Projekt wurde im Januar 09 erfolgreich abgeschlossen und ist nun institutionalisiert. Aaron verfügt über so ausgeprägte, starke Charaktereigenschaften, dass ich mit ihm seit dem 1.2.09 auch auf anderen Stationen, zur Zeit Mutter-/Kindstation, Einzelsitzungen mit ihm absolviere. Werde euch bei Gegelegnheit detailliert über dieses Projekt informieren.
Also, bis bald, see you
Uwe
Uwe & Ulla (Sonntag, 19 April 2009 13:04)
Wie versprochen, heute Details über das erwähnte Projekt mit Aaron; "EISBRECHER AUF VIER PFOTEN" Vorstellung des Therapiehundeteams der Station F0. Die Station F0 hat seit Anfang letzten Jahres den Retriever-Flat-Mischling Aaron als Stationshund. Ich nehme ihn jeweils mit an meinen Arbeitsplatz. Seine ersten Erfahrungen in diesem Umfeld machte Aaron als Welpe mit 12 Wochen. Mittlerweile ist er gut jährig und hat sich prächtig entwickelt. Aaron besuchte eine Welpen- und Junghundeschule.
In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass nur ausgebildete Hunde zu solchen Einsätzen beigezogen werden sollen. Es handelt sich also hier einen Versuch mit entsprechenden Rahmenbedingungen. Die bis jetzt gewonnenen Erfahrungen und Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten, aber auch vom Stationsteam, sind durchwegs positiv. Nebst den vielen lobenden Aussagen zu Aaron selbst werden auch die positiven Auswirkungen auf die Stations- und Arbeitsatmosphäre erwähnt.
Aaron lernt von selbst. Er registriert die Stationsatmosphäre sehr sensibel und zeigt diese an. Er ist in der Lage einzuschätzen, zu wem er gehen kann und zu wem nicht. Selbständig nimmt er Kontakt mit zum Beispiel traurigen Patientinnen und Patienten auf und spendet Trost. Neuerdings begleitet er das Team auf der "Weckrunde", hilft dabei - auf etwas feuchte Art und Weise- mit und begleitet Patientinnen und Patienten zusammen mit mir auf Spaziergängen.
Aus obiger Beschreibung geht hervor, dass zwei verschiedene Formen von Hundeeinsätzen zur Anwendung gelangen: einerseits die Einzelbesuche / - Aktivitäten / - Therapien und andererseits die Anwesenheit in Gruppen, worunter der Einsatz als Stationshund fällt. Da die Besuche bei einzelnen Patientinnen und Patienten nur ein- bis maximal zweimal pro Woche angeboten werden können, ist es wichtig, dass diese über mehrere Wochen oder sogar Monate stattfinden können. Der Beziehungsaufbau zu Hund und Halter ist eine zentrale Voraussetzung für die Wirksamkeit einer solchen Massnahme. Da der Einsatz von Tieren in diesem Rahmen nur bei Patientinnen und Patienten erfolgen soll, bei denen über eine längeren Zeitraum keine oder nur unbefriedigende Fortschritte bezüglich ihrer Symptome erzielt werden konnten, ist diese Voraussetzung in der Regel gegeben.
Der Einsatz von Aaron auf der Station ist sehr effektiv und zeigt sich vor allem in der Beeinflussung des Milieus. Aber auch einzelne Patienten profitieren stark durch den offenen Rahmen der Kontakte. Anders als bei den Einzelbesuchen sind Auswirkungen der Anwesenheit von Aaron unmittelbar beobachtbar. Die Aktivierung, die durch den Hund bei den meisten Patientinnen und Patienten "automatisch" stattfindet, kann zum Beispiel den Einstieg in eine Aktivität bzw. in eine Handlung ermöglichen. Das Beispiel von Aaron deutet darauf hin, dass die Anwesenheit auf der Station in seiner Sozialisierungsphase eine besondere Sensibilität des Tieres für die Bedürfnisse und Eigenheiten der Patienten entstehen lässt. Dass das Projekt mit Aaron bis anhin so positiv verlaufen ist, ist einerseits sicher auch darin begründet, dass der Einsatz seriös konzeptuell vorbereitet wurde und in diesem rahmen dem Schutz des Tieres vor Überforderung und Stress grosse Beachtung geschenkt wurde. Andererseits haben wir unsere Verantwortung sehr ernst genommen, Stresssymptome beachtet und viel Zeit für die Ausbildung und Erziehung von aaron aufgewendet.
Zu Fragen und Tipps stehen wir euch gerne zur Verfügung. Leider sind wir ferienhalber abwesend am kommenden Familientreffen. Also bis bald, bleibt gesund und geniesst das Zusammenleben mit euren "Eisbrechern". Liebe Grüsse aus dem Zürcher Oberland Uwe & Ulla mit Aaron
Uwe & Ulla (Montag, 17 Januar 2011 20:24)
Es ist schon fast wieder zwei Jahre her, als wir euch vom "Eisbrecher auf vier Pfoten" berichtet haben. Gerne nutze ich die Gelegenheit euch von den tollen Fortschritten von Aaron zu berichten.
Animalitäten 2010
in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich
Aktivitäten mit einzelnen Patientinnen und Patienten
Im vergangenen Jahr wurden durch das Team Uwe Riekmann mit Aaron und Roberto Tavaretti mit Laika 16 verschiedene Patientinnen und Patienten (15 ♀ / 1 ♂) besucht. Es handelte sich um gesamthaft 126 Aktivitäten (ø 7,4 Besuche/Pat., max. 36 Besuche/Pat., min. 1 Besuch). Die Dauer der einzelnen Aktivitäten betrug im Schnitt ca. 60 Minuten.
Eine Überprüfung der Auswirkungen der Aktivitäten erfolgte – wo möglich und angezeigt – mit der „Aktuellen Stimmungsskala“ (Dalbert, C. 1992) und die Dokumentation im pflegerischen Verlaufsbericht im KIS auf Grund einer entsprechenden Pflegediagnose, bzw. Zielsetzung. Zusätzlich wird für jede Patientin und jeden Patienten ein kurzer Verlaufsbericht verfasst.
Auswertung
Deutlich positive Auswirkungen der Aktivitäten mit den Hunden zeigten sich in folgenden Bereichen:
Stimmungsaufhellung
Spannungsabbau / Ablenkung
Abnahme von „Müdigkeit“ (Dalbert)
Abnahme von Hoffnungslosigkeit
Aktivierung
Bei über 70% der besuchten Patientinnen war ein deutlich positiver Einfluss der Aktivitäten auf ihre Befindlichkeit zu verzeichnen. Diese Effekte hielten zum Teil sogar für einen oder zwei Tage an. Eindrücklich - aber nicht zu quantifizieren - sind jeweils die durch die Anwesenheit der Hunde geschaffenen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme und zu therapeutischen Konfrontationen. Auffallend ist, dass vor Allem Frauen für die Aktivitäten mit Hunden angemeldet wurden. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass Männer nicht oder weniger davon profitieren könnten. Es ist nicht bekannt, ob diese ein entsprechendes Angebot (Anmeldungen erfolgen durch Pflegende oder Ärzte) ablehnten, oder ob ihnen kein solches gemacht wurde.
Stationstiere
Als Stationshund stand Aaron auf der Station F0 weiterhin im Einsatz. Wie gewohnt meisterte er diese Aufgabe mit Gelassenheit, Sanftmut und grosser Sensibilität für Stimmungen.
Auswertung / Eindrücke
Der subjektive Eindruck, dass sich die Anwesenheit von Aaron positiv auf das Stationsmilieu (entspannter, weniger Aggressionen) auswirkt, wurde durch verschiedene Aussagen von Patientinnen und Patienten sowie von Mitarbeitenden weiterhin gestützt. Eine geplante, strukturierte Erhebung dazu sollte 2011 wiederholt werden. Eindrücklich sind verschiedene „Dankesschreiben“ von Patientinnen und Patienten in denen beschrieben ist, wie Aaron ihnen in schwierigen persönlichen Situationen „geholfen“ hat. Dazu vielleicht ein Zitat: „Ich beobachtete die Mitbewohner (…..) wie sie ihn streichelten. Also dachte ich, dass es ok. ist, wenn ich das auch mache. Und es war einfach nur gut. Ihn zu berühren und mit ihm zu sprechen führte mich wie in eine andere Welt“. Ein weiteres Zitat: „Man kann in jedem Gefühlszustand mit ihm Kontrakt aufnehmen (das geht nicht so einfach mit den Mitmenschen)“. Ebenso beachtenswert ist die Tatsache, dass keine negativen Äusserungen zur Anwesenheit von Aaron auf der Station gemacht wurden.
Der Einbezug von Hunden bei der Behandlung und Pflege von Patientinnen und Patienten hat sich in der PUK etabliert und bewährt. Im Einsatz von Stationstieren liegt meiner Ansicht nach grundsätzlich ein grosses Potenzial. Wir werden uns bemühen, dazu in Zukunft konkretere Aussagen machen zu können.
Uwe Riekmann mit Aaron